Seit August 2024 ist der EU AI Act in Kraft, die ersten Pflichten gelten seit Februar 2025. Wer als Unternehmen in Österreich, Südtirol oder Deutschland KI einsetzt — und das tun heute schon mehr Betriebe als sie selbst denken — steht vor klaren Anforderungen. Hier die Übersicht ohne Juristen-Jargon.
Worum es beim EU AI Act geht
Der EU AI Act ist die erste umfassende KI-Regulierung der Welt. Er kategorisiert KI-Systeme in vier Risikoklassen und knüpft an jede Klasse unterschiedliche Pflichten — von „keine besonderen Auflagen” bis zu „grundsätzlich verboten”. Da der Act EU-weit gilt, sind Unternehmen in Österreich, Südtirol (als Teil Italiens) und Deutschland gleichermaßen betroffen. Für KMU sind vor allem die unteren beiden Klassen relevant.
Die vier Risikoklassen — kurz erklärt
- Unannehmbares Risiko (verboten): Social Scoring, manipulative KI, Echtzeit-Biometrie im öffentlichen Raum. Für KMU faktisch nicht relevant.
- Hohes Risiko: KI in HR-Auswahlentscheidungen, Kreditscoring, kritische Infrastruktur, Bildung. Hier gelten strenge Dokumentations-, Transparenz- und Audit-Pflichten.
- Begrenztes Risiko: Chatbots, Deepfakes, generative KI in Kundenkommunikation. Transparenz-Pflicht — Nutzer müssen wissen, dass sie mit KI sprechen.
- Minimales Risiko: Spam-Filter, KI-gestützte Suche, Office-Assistenten. Keine besonderen Pflichten — die meisten Mittelstands-Use-Cases fallen hierher.
Welche Fristen gelten konkret?
- Februar 2025: Verbotene KI-Praktiken sind nicht mehr erlaubt. AI-Literacy-Pflicht (geschultes Personal) trat in Kraft.
- August 2025: Pflichten für General-Purpose-AI-Modelle (z. B. Foundation Models) gelten.
- August 2026: Volle Anwendbarkeit für Hochrisiko-Systeme.
- August 2027: Übergangsfristen für eingebettete KI in regulierte Produkte.
Compliance-Checkliste für KMU in Österreich und Südtirol
Wenn ihr KI im Unternehmen einsetzt, beantwortet diese sieben Fragen — sie decken 90% der typischen Mittelstands-Risiken ab:
- Welche KI-Systeme nutzen wir tatsächlich? Inventarisiert auch Schatten-IT (private ChatGPT-Konten, freie Tools).
- In welche Risikoklasse fällt jedes System? Bei Unsicherheit: lieber eine Klasse höher einstufen.
- Haben wir Auftragsverarbeitungsverträge mit allen KI-Anbietern? Free-Tier hat meist keinen.
- Sind unsere Mitarbeitenden geschult? AI-Literacy ist seit Feb 2025 Pflicht — nicht optional.
- Werden Nutzer über KI-Einsatz informiert? Bei Chatbots, generierten Bildern, automatisierter Entscheidung ist das verpflichtend.
- Gibt es eine schriftliche KI-Richtlinie im Unternehmen? Mindestens auf einer Seite, Stand der internen Regeln.
- Wer ist intern verantwortlich? Eine benannte Person pro Unternehmen, idealerweise mit Geschäftsleitungs-Zugang.
Was passiert bei Verstößen?
Die Strafen sind ernst: bis zu 35 Mio. € oder 7% des weltweiten Jahresumsatzes, je nachdem was höher ist — für die schwersten Verstöße. Für KMU realistischer: Verwarnungen und niedrigere Bußgelder, aber auch hier reden wir im Bedarfsfall über fünf- bis sechsstellige Beträge. In Österreich übernimmt die Datenschutzbehörde (DSB) zentrale Aufsichtsfunktionen, in Südtirol/Italien das Garante Privacy, in Deutschland die jeweilige Landesdatenschutzbehörde.
Häufige Fragen
Gilt der EU AI Act auch für mein 10-Personen-Unternehmen in Österreich oder Südtirol?
Ja. Der AI Act unterscheidet nicht nach Unternehmensgröße und gilt EU-weit. Aber: Für KMU gibt es Erleichterungen bei den Dokumentationspflichten, und die meisten KMU-Use-Cases fallen in die Klassen mit minimalem oder begrenztem Risiko.
Was ist AI-Literacy konkret?
Mitarbeitende, die mit KI arbeiten, müssen ein angemessenes Verständnis haben — was die Tools können, wo Risiken liegen und wie sie verantwortungsvoll genutzt werden. Das kann von einer 2-Stunden-Schulung bis zu einem mehrtägigen Workshop reichen, je nach Rolle.
Brauchen wir einen KI-Beauftragten?
Eine benannte verantwortliche Person ist Best Practice und in einigen Klassen verpflichtend. Bei KMU ist das oft die Geschäftsleitung selbst oder die IT-/Datenschutz-Verantwortliche.
Welche Behörde ist in Österreich für die Aufsicht zuständig?
Die Datenschutzbehörde (DSB) übernimmt zentrale Aufsichtsfunktionen für den EU AI Act in Österreich. Spezielle KI-Aufsichtsstellen werden auf Bundesebene noch nachgezogen — der aktuelle Stand findet sich auf den DSB-Webseiten.
Wie es weitergeht
In einem unverbindlichen Erstgespräch klären wir gemeinsam, in welche Risikoklassen eure aktuellen KI-Anwendungen fallen und welche konkreten Schritte für euer Unternehmen sinnvoll sind. Wir betreuen Mandanten in ganz Österreich, Südtirol und der DACH-Region. Mehr zu unserer KI-Beratungspraxis findet ihr unter KI-Leistungen.
